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日志


9月21日

Lese-Training

 
 
 
 
 

Merkmale:

  • Übungskartei im Format A6 mit 100 Kärtchen in 3 verschiedenfarbigen Teilen zum systematischen
    Aufbau des Lesevermögens
  • Für Leseschwache jeder Alterstufe einsetzbar
  • Die Lesemenge auf den Kärtchen ist nie überfordernd
  • Langsam steigernder Aufbau: von Silben über Wörter zu Wortgruppen und Sätzen - Daher ist es wichtig,
    die Reihenfolge von 1 bis 100 einzuhalten
  • Durch häufiges variierendes Aufgreifen gleicher oder verwandter Wörter wird die ganzheitliche Wortwahrnehmung gezielt gefördert und weiterentwickelt
  • Größere Wortzwischenräume und abgerückte Satzschlusszeichen erleichtern zusätzlich die Möglichkeit ganzheitlicher Wortwahrnehmung
  • Das Wechselspiel zwischen leichteren und schwierigeren Kärtchen motiviert die Lernenden immer wieder aufs Neue
  • Schwerpunkt auf den Lesekärtchen ist der Häufigkeitswortschatz, wodurch zugleich auch eine
    eventuell bestehende Rechtschreibschwäche abgefedert wird
  • Jedes (nach Vorbereitung) fehlerfreie vorgelesene Kärtchen bringt einen "Bingo"-Punkt in der Punkteliste (letztes Kärtchen)
  • Nach je einem Drittel der Kärtchen gibt es eine kleine Belohnung, z. B. aufgabenfrei...
  • Bereits nach wenigen Wochen zeigt sich eine merkliche Besserung der Leseleistung!



Bibliographische Angaben:

Kartei im Format A6, 100 Einzelkärtchen, blockgeleimt. Dreiteiliger Aufbau, durch verschiedene Farben differenziert.
HF-Verlag - Eigenverlag Dr. Horst Fröhler, 5.Auflage, Wien 2006.
Autorenpreis (bei Direktbestellung) EUR 10,-, Buchhandelspreis EUR 12,-; Preise inkl. 10%USt.
ISBN: 978-3-9502198-3-8

> http://www.froehler.at/publikationen/ftl.htm


pяiиz uиveяzagt macht dieses Lese-Trainig Spaß. Smiley

 

10月1日

Phonetisch

"Phonetisch" ... hm ...
Wenn man lange genug daraufstarrt, kommt man ins Grübeln, ob und wie ein P ohne Tisch auskommt.
Die phonetisch / akkustische Logik von ρяιиz υиνєяzαgтs Wortschöpfungen entgeht allen, die die österreichischen Aussprache nicht im Ohr haben; übrig bleibt nur die unfreiwillige assoziative Komik der Neugeschöpfe: Bieroklamer & Reisfaschlus.
Legastheniker schreiben oder lesen oft etwas nicht-sinnerfassend; wenn nach den ersten Arbeitschritten Lesen-Aussprechen bzw. Hören-Niederschreiben zuwenig Zeit bleibt, den Gedanken zuende zu führen, um was es geht. Da wird zuerst nach Gehör notiert und erst im zweiten Arbeitsschritt, bei nochmaligem Lesen, aus der Logik im Zusammenhang nachträglich erschlossen, um was es sich handelt. Wenn möglich. Das kann eine Weile dauern und benötigt einen Zeitraum, dessen Inhalt "die anderen" nicht verstehen können: in dem gegrübelt wird, was das Bier im Satz tut und was nochmal ein Oklamer sein könnte, denn man hat es ja geschrieben und nun steht es da und fesselt die Aufmerksamkeit. Diese Sinnloswörter unterliegen bei ρяιиz υиνєяzαgт auch der Tagesverfassung, genau wie das Buchstabenvertauschen. Eine Welt voller Fragwürdigkeiten und Möglichkeiten, Phantasie und Fehler.
 
9月19日

Nomen Verben Adjektive

Namenwörter, Tätigkeitswörter, Eigenschaftswörter

Schulweggespräch:
 ich
ρяιиz υиνєяzαgт 
 
...
Nomen haben einen großen Anfangsbuchstaben, Verben und Adjektive fangen klein an.
Okay.
Nomen sind Sachen oder Personen, die kann man anfassen. Verben beschreiben, wer oder was etwas tut, und Adjektive beschreiben, wie etwas aussieht.
Was ist mit Luft?
Ääääh .... 
 
5月17日

Sport

 
Legastheniker stolpern nicht nur beim Lesen und Schreiben, auch "über die eigenen Füße".
ρяιиz υиνєяzαgт hat schon viel zu oft ein völlig nutzloses "Paß doch auf!" gehört, vor allem, wenn er nicht nur gestolpert, sondern wirklich gefallen ist. Kopfandotzen einschließlich.
Die Mißgeschicke haben als Ursache die Orientierungsprobleme von Legasthenikern, nicht rein motorisches Ungeschick.
 
ρяιиz υиνєяzαgт hat seine Krabbel- und Geh-Versuche nicht gerade früh unternommen, aber völlig im mittleren Norm-Bereich. Allerdings wollte er draußen weniger gern laufen, schon gar nicht auf unebenen Naturböden; er beschwerte sich schon frühzeitig, wenn er sah, daß es dem Hund zuliebe in Richtung Felder und Wiesen ging anstatt ortseinwärts. Gerade wegen dieser "Bequemlichkeit" haben wir die kleinen Wege zum Kindergarten und Einkaufen bei jedem Wetter zu Fuß gemacht.
Als er 6 war, nach einem Sommerurlaub, machte es ihm plötzlich Spaß, zu laufen, also: LAUFEN. Das ist gut so, denn seit er zur Schule geht, hat sich das seit Geburt bis Ende der Kindergartenzeit magere kleine Kaninchen einen "Schutzspeck" angegessen.
 
ρяιиz υиνєяzαgт besucht bereits seit Herbst 2005 die Anfänger-Gruppe des Jiu-Jitsu-Vereins; nach dem Schädeltrauma im Herbst 2006 mußte er ein halbes Jahr aussetzen, weil er bei den Fall-Übungen immer wieder vom Aufprall Kopfschmerzen bekam. An die komplizierten Bewegungsabläufe neuer Übungen kann er sich auch nicht immer gut erinnern ... In dieser Gruppe ist das Tempo langsam und die Trainer sehr geduldig, es werden viele Bewegungsspiele gemacht.
 
Vor ein paar Wochen war der Tennis-Verein mit einer Menge Tennisschläger und -Bällen in der Grundschule, um Nachwuchs zu werben. Das hatte ρяιиz υиνєяzαgт großen Spaß gemacht und er wollte unbedingt Tennisspielen lernen. Also haben wir einen Kinderschläger der kleinsten Größe und Tennisschuhe ("gibts nur noch mit Schnürsenkeln") angeschafft. Jaja, erwischt - ein Klettverschluß-Fan. Also hat er zwei Tage lang Ehrgeiz entwickelt, die Schleifen richtig zu binden und gestern seine erste Trainigsstunde auf dem Tennisplatz gehabt. Das scheint ihm zu liegen, nicht nur, weil er die ihm zugespielten Bälle meistens erwischt hat, ich habe ihn auch trotz großem körperlichen Einsatz kein einziges mal stolpern, geschweige denn fallen sehen, wie z.B. morgens, auf dem Weg zur Schule, beim ganz normalen Gehen. Ich muß mal drauf achten, ob es stimmt: wenn er läuft, stolpert er anscheinend nicht.
 

 
Nachtrag vom 30. April 2009:
die motorische Geschicklichkeit hat sich sehr positiv entwickelt, die "Stolperer" sind beinahe verschwunden und die Freude an der Bewegung hat zugenommen, auch wenn Vergleiche mit Gleichaltrigen bei Aktivitäten, bei denen es auf die Balance ankommt, wie Radfahren oder Skaten, wieder weniger positiv ausfallen, ganz normale Geschicklichkeit ist gegeben bei Bewegungsabläufen wie z.B. beim Jiu-Jitsu, Tennis und Schwimmen.
 
5月14日

Duo fatal

 Im > Blog »Bei mir ist alles okay« - Interview mit Prof. Samy Molcho sagte z.B. auch Prof. Sammy Molcho: "Aus irgendeinem Grund finden Legastheniker immer zueinander." - Oder Menschen mit einer Aufmerksamkeitsstörung  > ADHS (engl. ADD) oder beides kombiniert, denn Legasthenie kommt oft Hand in Hand mit ADHS einher. Frei nach dem Motto "Am besten halte ich aus, was ich selbst bin", fühlen sich diese Personen oft besonders wohl miteinander. Vielleicht haben sie aufgrund der eigenen Geschichten gelernt, toleranter zu sein.
Eine gewagte Behauptung? Nicht von mir - ich habe sie nicht erfunden, sondern verschiedentlich gelesen, mit unseren familiären Umständen verglichen und halte es für möglich: ρяιиz υиνєяzαgт's chronisch unaufmerksame Großmutter, in ihrer Kindheit als "rothaariges Eichhörnchen" eine erzieherische Herausforderung, als Erwachsene zumindest als sehr dynamische Persönlichkeit - weshalb fühlte sie sich hingezogen zu ρяιиz υиνєяzαgт's Großvater, einem großen, linkischen Linkshänder, Legastheniker? Das ist zwar spekulativ und führt zu nichts Konkretem, aber sicher ist, daß sowohl ADHS als auch Legasthenie vererbt werden können und in diesem Fall sehr wahrscheinlich im Doppelpack, mit einer noch höheren Wahrscheinlichkeit. ρяιиz υиνєяzαgт's Art, ab und zu "aus dem Mustopf zu kommen" ähnelt frappant seiner Großmutter und - hm ... Sie sind alle kein "Zappel-Phillips", und auch keine "Träumer"-Typen, nur zeitweilig geistesabwesend, was möglicherweise mit den im Zusammenhang mit Legasthenie auftretenden spontanen Geräusch-Wahrnehmungsstörungen zu tun haben könnte. (nicht zu verwecheln mit andauernder Gehörschwäche) Das sind nur mir vertraute Beispiele. Vielleicht fällt anderen Betroffenen ähnliches ein.
Es ist wichtig, familiäre Gegebenheiten zu hinterfragen. Falsche Scham und Pietät hilft den Kindern nicht: "In unserer Familie hat es nie Probleme gegeben" - "von uns hat er das nicht", wenn sich Familienlager gegeneinander aufstellen, anstatt durch offene Erinnerungen vielleicht zu helfen, den Ursachen für Schwierigkeiten schneller auf die Spur zu kommen. "X hat bei den Hausaufgaben auch immer geweint." - "Ich muß auch immer überlegen wie herum es richtig ist."
Und ich? allein mit herumliegenden Büchern Lesen und Schreiben gelernt mit ungefähr vier ... Wir haben zwei Söhne. Der eine sieht die Seiten seiner Schulbücher im Kopf, und wenn er sie gut genug angesehen hat, kann er "abschreiben". Der andere sieht tanzende Buchstaben: ρяιиz υиνєяzαgт.
5月11日

Ignoranz und Arroganz

 
Wenn man die Windows Live Suchfunktion für Spaces verwendet und nach dem Stichwort "Legastheniker" sucht, bekommt man 6 Spaces angezeigt und 42 Blogeinträge in verschiedenen weiteren Spaces, in denen das Wort verwendet wird, in der Unterzahl als Fachbegriff, größtenteils als Schmähwort. Ein Beispiel? Unter einen Blog, in dem jemand seiner Meinung zum Thema "Anorexie" Ausdruck gab, setzte jemand einen Kommentar:
 
 
"Jede Abweichung sucht nach Rechtfertigung und für jedes Problem gibt es ein Forum, so auch für Selbstmörder, Legastheniker, Putinfreunde, Briefmarkensamler usw. "
 
Was ist an diesen Satz so bemerkenswert, um ihn unter vielen anderen Dummheiten als beispielhaft auszuwählen?
Weil ich seinen Erzeuger seit dem Jahre 2005 als Schreiber intelligenter und anspruchsvoller Blogs geschätzt hatte.
Weil es so gut als Beispiel dafür geeignet ist, daß "Legastheniker" von vielen Menschen gedankenlos als abwertender Ausdruck verwendet wird.
 
Fazit:
Ignoranz und Arroganz haben ebensowenig mit der Qualität von Intelligenz zu tun wie Legasthenie.
5月8日

»Bei mir ist alles okay« - Interview mit Prof. Samy Molcho

(Quelle: DEUTSCHES ALLGEMEINES SONNTAGSBLATT, 8. Mai 1998 Nr. 19/1998, s.u.)
 
Legasthenie
»Bei mir ist alles okay«
... nur eins nicht: die Rechtschreibung.
 
Denn der berühmte Pantomime, Regisseur, Buchautor und Hochschulprofessor ist Legastheniker
VON MONIKA GOETSCH
 
Sie haben sich als Legastheniker geoutet. Seit wann wissen Sie, daß Sie Legastheniker sind?
Samy Molcho: Ich hatte immer Schwierigkeiten beim Schreiben und Lesen. Aber erst seit mein Sohn das gleiche Problem hat, weiß ich von Ärzten und Psychologen, was es ist.
 
Wie haben Sie trotz Ihrer Schwäche die Schule geschafft?
Molcho: Mit Hilfe von Tricks. Meine Hausaufgaben habe ich zum Beispiel von einem leeren Blatt gelesen.
 
Sie konnten sie auswendig.
Molcho: Ich hatte sie einfach im Kopf. Wenn der Lehrer das Blatt sehen wollte, um eine Note zu geben, wurde es kompliziert.
 
Wie genau sieht Ihre Legasthenie aus?
Molcho: Schreiben ist schwierig. Statt "Auf Wiedersehen" habe ich früher "Ovidersen" geschrieben. Zum Lesen brauche ich mindestens doppelt so lange wie andere Menschen.
 
Lesen Sie Wort für Wort?
Molcho: Oft muß ich zurückspringen und einen Satz oder ein Wort noch mal lesen. Wörter wie der, die, das, wenn, aber, deswegen sind für mich Horror. Weil ich sie nicht automatisch mit Bildern verbinde. Das Schulsystem hat meine Art, in Bildern und Szenen zu denken, zur Schwäche erklärt.
 
Haben Sie nach der Schule mit dem Lesen und Schreiben ganz aufgehört?
Molcho: Das Telefon hat viele meiner Probleme gelöst.
 
Schreiben Sie keine Briefe?
Molcho: Nein.
 
Auch keine Liebesbriefe?
Molcho: Nein. Ich rufe an, mache wunderschöne Zeichnungen auf eine Postkarte, komme vorbei, bin da. Legastheniker entwickeln eine ganz bestimmte Intelligenz: Sie suchen Lösungen. Das macht kreativ. Niemand sollte entdecken, daß ich nicht schreiben kann. Wer im Versteck lebt, wird erfinderisch. Ich mußte gut sein: damit ich mir jemanden leisten konnte, der meine Briefe schreibt.
 
Schämen Sie sich der Legasthenie?
Molcho: Nein. Man muß sich nicht dafür schämen. Ich kann bloß keine Rechtschreibung, das ist alles.
 
Ihre Legasthenie hat nichts mit Ihrer Intelligenz zu tun.
Molcho: Genau. Jeder kann irgend etwas nicht. Ich habe Wissen, bin schnell im Denken und intelligent - und habe Probleme mit der Rechtschreibung. Ich benutze einfach mein Gehirn anders, weil ich dreidimensional und in Bildern denke. Diese Art zu denken entspricht übrigens vollkommen meiner Arbeit auf der Bühne.
 
Ist es für jemanden, der wie Sie großen Erfolg hat, nicht viel einfacher, sich nicht zu schämen, als für andere?
Molcho: Darum bekenne ich öffentlich, daß ich Legastheniker bin: um es den anderen leichter zu machen. Unser Problem ist eigentlich gar keins. Sondern eine außergewöhnliche Begabung. Das lineare Denken der anderen hat uns zu Problemfällen gemacht und in Sonderschulen gesteckt. Erst die Schule hat die Legasthenie hervorgebracht. Gemessen wird an einem digitalen Programm. Ein Buchstabe folgt dem anderen - wie langweilig.
 
Die Legasthenie ist kein Fehler im Gehirn?
Molcho: Überhaupt nicht. Mit mir ist alles okay. Nur die Meßgeräte sind nicht in Ordnung. Dreidimensional zu denken bedeutet, eine andere Auffassung von den Dingen und der Welt und ihren Möglichkeiten zu haben.
 
Sind Sie näher an den Sachen dran?
Molcho: Es ist anders, ein anderes System.
 
Sie sind nicht nur Pantomime, sondern auch Pädagoge, lehren an der Wiener Hochschule und geben Kurse für Manager. Sie haben auch einige Bücher geschrieben. Also müssen Sie sich stark auf Sprache verlassen.
Molcho: Das kann ich auch. Mündliche Sprache beherrsche ich gut. Meine sechs Bücher habe ich natürlich nicht selbst geschrieben, sondern diktiert.
 
Es gibt ja ganz unterschiedliche Ausprägungen von Legasthenie.
Molcho: Hunderte. Bei jedem zeigt sich Legasthenie anders. - Ich habe immer mehr gesehen als Nichtlegastheniker. Zum Beispiel konnte ich nie verstehen, daß andere in den Kühlschrank schauen und nur den Käse sehen. Ich sehe immer den ganzen Kühlschrank, die Milch und die Butter und die Wurst. Eine sehr wichtige Frage im Zusammenleben einer Familie.
 
Sie arbeiten schon sehr lange als Pantomime und Schauspieler, Regisseur und Dozent. Haben Sie auf diese Weise Ihr Rechtschreibeproblem verstärkt?
Molcho: Das ist die Frage: Was war zuerst da, die Henne oder das Ei? - Sehen Sie etwas, wenn Sie das Wort Standpunkt hören? Nein? Ich sehe etwas: einen Punkt, auf dem einer steht.
 
Geht das Denken nicht viel langsamer, wenn man sich jeden Begriff als Bild vorstellen muß?
Molcho: Im Gegenteil, es geht viel schneller. Ich verstehe Worte nicht linear, in einer Reihe, ich sehe das Gesamte, ein vollständiges Bild. Die Bilder laufen in einer solchen Geschwindigkeit, daß man nur das Resultat wahrnimmt, nicht den Prozeß. Aus meiner Sicht hat man euch verzerrt, in die Eindimensionalität der Sprache gesperrt. Das Wort Begriff kommt doch von greifbar. Die Schule hat das vergessen. Statt mit Greifbarem zu arbeiten, arbeitet sie mit Wörtern. Dabei ist die deutsche Sprache so hautnah. - Ihr seht nicht die Fülle dessen, was ich sehe. Ein Bild ist viel mehr als ein Wort.
 
Als Legastheniker sind Sie reicher?
Molcho: Auf jeden Fall. Wenn das Schulsystem einen Legastheniker nicht blockiert, ist er meistens kreativ, erfolgreich, ein Künstler...
 
Warum propagieren Sie dann, die Legasthenie mit Hilfe einer Lernmethode zu beheben?
Molcho: Nicht, damit der Legastheniker umdenkt. Sondern damit er lernt, die negativen Folgen der Legasthenie zu beseitigen. Bei der Lernmethode von Ronald D. Davis*, die ich vertrete, geht es unter anderem darum, abstrakte Wörter wie Artikel oder Adverbien begreifbar zu machen. Man erfindet sich für das Wort und ein Bild - und schon macht es beim Lesen oder Schreiben keine Schwierigkeit mehr. Ich selbst brauche kein Training. Ob ich etwas richtig schreibe oder nicht, ist völlig egal. Mein Sohn, der als 14jähriger noch zur Schule geht, braucht diese Hilfe. Die Schule muß ihm aber vor allem bewußt machen, daß er Begabungen hat, die weit größer sind als die sogenannten Fehler.
 
Können Nichtlegastheniker die Begabungen von Legasthenikern überhaupt fördern?
Molcho: Selbstverständlich. Auch der Nichtlegastheniker denkt ja zum Teil bildlich. Beim Legastheniker ist das lediglich verstärkt.
 
Haben Sie schon viele Legastheniker unterrichtet?
Molcho: O ja. Aus irgendeinem Grund finden Legastheniker immer zueinander.
 
Über Themen?
Molcho: Wir verstehen uns einfach. Unsere Auffassung von der Welt ist sehr ähnlich. Und natürlich haben wir die gleichen Probleme. Leider ist es so: Wir sind nicht gefährlich. Also muß die Gesellschaft nichts tun, um unser Problem zu lösen. Ich hoffe einfach, daß immer mehr Menschen sagen, daß sie Legastheniker sind. Und daß sich keiner mehr deswegen schämen muß.

*Ronald D. Davis: "Legasthenie als Talentsignal. Lernchance durch kreatives Lesen."
 Ariston Verlag, Kreuzlingen. 271 Seiten, 39,80 DM (auch als Hörbuch erhältlich)
 
Von Samy Molcho ist im Münchner Mosaik Verlag unter anderem erschienen:
"Alles über Körpersprache" (59,90 DM); "Partnerschaft und Körpersprache" (39,80 DM); "Körpersprache der Kinder" (29,80 DM

Legasthenie / Dyslexie - ein großes Haus mit vielen Zimmern ...

... in denen viele Menschen wohnen, die oft nicht viel mehr gemeinsam haben als dieselbe Adresse?
 
Je mehr man sich in das Thema hineinliest, desto auffallender wird, daß es kein wirklich einheitliches Bild zu geben scheint, sondern daß es sich bei den Begriffen Legasthenie / Dyslexie um einen Oberbegriff zu handeln scheint, unter dessen "Dach" viele verschiedenartige Variationen untergebracht wurden, denen genügend Gemeinsamkeiten und Überschneidungen zu eigen sind, die aber nicht wirklich zusammengehören.
 
Wenn ich davon lese,
... daß Links- oder Beidhändigkeit als Handicap betrachtet wird und als Mitverursacher von Legasthenie infrage komme,
... daß eventuell das Immunsystem der Mutter während der Schwangerschaft ungünstige Einflüsse auf die Gehirnentwicklung genommen haben könnte,
... daß Legasthenie als vererbbare Erscheinung belegt ist, aber nicht zwangsläufig in jedem Fall, sondern nur auch,
... daß Kinder, deren Ernährung mit Fischöl angereichert wurde, zum Teil Besserung erfahren haben sollen,
... daß manche Legastheniker über ein besonders gutes räumliches Vorstellungsvermögen und Musikalität verfügen,
... während andere wiederum nicht einmal Rythmusgefühl besitzen, ...
dann habe ich nicht den Eindruck, daß meinem Kind und mir der Erwerb von Wissen über das Woher und Warum etwas Nützliches bescheren könnte.
Ich habe vielmehr den Eindruck, daß dieses Gebilde des "Dyslexie-/Legasthenie-Hochauses mit den vielen Wohnungen" bildungspolitisch einfacher ist; daß es praktischer ist, die Probleme anzugehen, die als Erscheinungsbild übereinstimmen und auch im Unterrichtsstil dasselbe benötigen, aber daß gerade diese Zusammenfasssung für den Einzelnen Verwirrung stiftet, der in dieser Vielfalt seinen Fixpunkt zu finden sucht.
 
Wenn man das Gelesene summiert, gewinnt man den Eindruck, ein menschliches Katastrophenszenario vor sich zu haben.
Das macht es auch für Betroffene schwerer, zu sagen "Ich bin Legastheniker" oder "Mein Kind ist Legastheniker", hat man doch einiges gelesen oder gesagt bekommen, wofür man Schuldgefühle haben könnte.
Ich habe als Schwangere keine Drogen konsumiert. Die Geburt meines Sohnes war schwierig, aber die Versorgung mit Sauerstoff gut und "Schuld" hatte an den spontan auftretenden Schwierigkeiten niemand. Selbstverständlich hätte ich meinen Mann auch geheiratet, hätten wir beide gewußt, daß es für seine schulischen Probleme in der Kindheit und die verbliebenen Lese-und Rechtschreib-Irritationen einen Namen gibt, nämlich: Legasthenie. Die Veranlagung ist nachweislich vererbt - sollte sich deshalb jemand schuldig fühlen, weil  man seinen Kindern ein Leben mit einem Stressfaktor mehr zumutet? Ich werde mich in Zukunft auf das Förderliche konzentrieren, aber beabsichtige nicht, mit Nahrungsmitteln und Medikamenten zu experimentieren.
 
Soweit in der Verwandtschaft feststellbar, sind die Bedingungen sehr ähnliche: sie lesen als Erwachsene alle relativ problemlos, schreiben einigermaßen unauffällig, also nicht ohne, aber mit wenigen Fehlern (ausgenommen natürlich noch ρяιиz υиνєяzαgт), haben Rythmusgefühl, ein normales bis sehr gutes räumliches Vorstellungsvermögen und eine normale bis schnelle Reaktion, also mehrere Dinge, die an anderen Stellen Legasthenikern abgesprochen werden.
Wie es aufgrund der - im Gespräch festgestellten - verwandschaftlich verbundenen "Vergleichspersonen" aussieht, hat ρяιиz υиνєяzαgт zwar schwere Schuljahre vor sich, aber grundsätzlich gute Aussichten, sich bei aufmerksamer Förderung positiv zu entwickeln. Dafür muß man sich allerdings die Zeit nehmen können, andernfalls wäre eine negative Entwicklung ebenso möglich.
Die herkömmliche schulische Nachmittagsbetreuung würde einem Legastheniker schlecht bekommen, denn die Betreuer sind nicht dazu ausgebildet, sind es doch teilweise nicht einmal die Grundschullehrer. Darum stehe ich allen Äußerungen der verschiedenen Politiker/-innen sehr kritisch gegenüber, die den zu füllenden Sozialkassen zuliebe pauschaler ganztägiger Kinderbetreuung ab dem Kindergartenalter das Wort reden. Was volkswirtschaftlich nützlich ist, schadet unter derzeitigen Bedingungen einzelnen, was aber langfristig gesehen wieder volkswirtschaftlich ungünstige Auswirkungen haben würde ...